VEREINIGUNG KRIMINALDIENST ÖSTERREICH

Onlinemagazin der Vereinigung Kriminaldienst Österreich

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1852 - 1919 Kaum gegründet – schon reformiert

 

 

Die Kriminalpolizei ist der jüngste Zweig im Bukett der exekutiven Körper, doch kaum ein polizeilicher Bereich wurde so oft reformiert wie sie. Wer immer an den Hebeln der politischen Macht saß, glaubte die Kripo nach seinen Vorstellungen ummodeln zu müssen.

 

Der Grundstein der Kriminalpolizei in Österreich wurde nach der Revolution 1848 gelegt. Vor diesem Zeitpunkt genügten dem Staat polizeiliche Spitzeln, denn eine kriminalpolizeiliche Tätigkeit in unserem heutigen Sinn gab es nicht. Für die „Obrigkeit“ stand vorwiegend die politische und religiöse Gesinnung der Bürger im Zentrum des Interesses und nicht die Aufklärung von Straftaten.

Die Veränderung des Revolutionsjahres führten 1850 zur Errichtung von Polizeidirektionen und Kommissariaten, womit endlich die Polizei von der militärischen Gewalt getrennt wurde. Für die Polizei als ziviler Wachkörper war der 20.4.1852 von Bedeutung, es wurde eine Instruktion für die „Zivilwachgemeinen“ erlassen und damit endlich das Spitzelsystem metternichscher-sedlnitzkyscher Prägung abgelöst. Die neue Art der Polizei sollte sich „auf die stille, unauffällige Beobachtung und die Anzeige des Wahrgenommenen beschränken“. Wobei unter „Zivilwachgemeinen“ nicht in Zivil tätige Beamten gemeint waren, sondern lediglich nicht militärische.

Die rechtliche Stellung dieser  polizeilichen Urahnen war mehr als triste. Es gab keine Pension und die Beförderung erfolgte „nach Verdienstlichkeit“. Die Beamten waren dauernd im Dienst und über die dienstfreie Zeit entschied der Vorgesetzte. Diese Truppe von schlecht bezahlten und abhängigen armen Teufeln war natürlich nicht imstande, die am Beginn des Industriezeitalters emporwachsende Kriminalität zu bekämpfen. Um eine Zentralisierung der kriminalpolizeilich tätigen Beamten zu erreichen, wurde am 11.1.1858 eine "Normale“ erlassen, dass die Gründung eines „Büros für öffentliche Sicherheit“ gestattete. So gesehen erfolgte schon die Gründung der Kriminalpolizei durch eine Reform, aber war es auch der Geburtstag? Als möglichen Geburtstag könnte man eher den 25.12.1870 bezeichnen.  An diesem Tag wurde das k.u.k. Polizeiagentkorps gegründet, dass aber  erst am 1.3.1872 tatsächlich ins Leben gerufen wurde.

Die Eigenständigkeit der Kripo führte zu einer Blüte, unter anderem auch weil erstmalig Aufnahmebedingungen und Prüfungen zum Eintritt in das Korps vorgeschrieben waren. Diese erste Blüte war natürlich auch durch die parallel laufende Entwicklung der Kriminalistischen Wissenschaften bedingt.

Reform Nummer 1 erfolgte schon wenige Jahre nach der Gründung. Bis 1875 waren alle Wiener k.u.k. Agenten auf das Sicherheitsbüro konzentriert, während in den Bezirken uniformierte Beamte ihren Dienst versahen. Vorerst versuchsweise wurden in diesem Jahr 50 Polizeiagenten auf die verschiedenen Kommissariate versetzt, um dort ausschließlich „Indagationsdienst“ zu versehen. Die Entwicklung bewährte sich und 1890 waren bereits 26 Inspektoren und 348 Polizeiagenten diszlogiert tätig. 1914 wurde ein einheitliches Dienstrecht geschaffen. Die kriminalistischen Wissenschaften hatten zwischenzeitlich bedeutende Fortschritte gemacht und das Fachpersonal dafür rekrutierte man aus dem Agentkorps. Keine Reform im eigentliche Sinn, aber eine wesentliche Ausweitung des Tätigkeitsbereiches.

Einen abrupten Abbruch in der Entwicklung der kriminalpolizeilichen Arbeit bedingte der 1. Weltkrieg. Die Kripo wurde zwar nicht grundsätzlich reformiert, doch ihre Arbeit veränderte sich neuerlich. Die Agenten wurden für die Zensur und zur Unterstützung der Militärbehörden bei der Spionageabwehr eingesetzt, ein Niedergang der Wiener Kriminalistischen Schule war die Folge.

Das Ende des Weltkrieges war für die Polizeiagenten mehrfach erfreulich. Nach Ende des Krieges konnten sie wieder in ihrem eigenen Bereich arbeiten und mit 30.10.1919 wurde ihnen die Beamteneigenschaft zugesprochen. Als Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr, am 24.12.1919, gab es eine wesentliche Reform, aber darüber lesen Sie mehr in unserer nächsten Ausgabe.