VEREINIGUNG KRIMINALDIENST ÖSTERREICH

Onlinemagazin der Vereinigung Kriminaldienst Österreich

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Vereinigung Kriminaldienst Österreich

ehemals Vereinigung der Bundeskriminalbeamten Österreichs

 

 

Im Namen der Kripo

 

Wie jede Berufsgruppe braucht auch die Kriminalpolizei eine Vertretung ihrer Interessen. Die Gründung einer Gewerkschaft war in der 1. Republik auf Grund des s.g. Koalitionsverbotes nicht möglich, man wählte daher die Form eines Vereines. Gegründet – aufgelöst – wiedergegründet – umgetauft. Die Geschichte dieser Berufsvertretung vom Kaiserreich bis zum Ständestaat war sehr bewegt. In der NS-Zeit wieder aufgelöst, stieg sie nach Ende des 2. Weltkrieges wie Phönix aus der Asche.

 

Leicht hatten es jene Polizisten, die sich für die Kollegenschaft einsetzten nie, vor allem jene, die sich für den Kriminaldienst engagieren. Kriminalisten sind Individualisten und dem entsprechend sind sie auch unterschiedlicher Meinung, wie man eine Vertretung aufbauen und betreiben soll. Auf der anderen Seite sieht der Dienstgeber in einer Berufs- und Interessensvertretung häufig eine feindliche Organisation, die nicht jede Entscheidung reaktionslos hinnimmt. Vor allem in den Anfangstagen der gewerkschaftlichen Bewegung wurde eine Berufsvertretung von Haus aus als sozialistisch angesehen und dem entsprechend von monarchischen- und ständestaatlichen Behörden behandelt.

 

Der erste Versuch

Den Versuch eine Vertretung der Kriminalpolizei zu gründen machte der k.k. Polizeiagent Martin Neuhofer im Jahre 1903. Er meldete bei der Stadthalterei einen Club an, „eine Vereinigung, die sich der Regelung des vereinten Daseins und Zusammenwirkens“ wie er es ausdrückte, widmen sollte. Am 22. Dezember 1903 wurden die Statuten des „Clubs der Wiener Kriminaldetektive“ genehmigt. Eine interessante Namensgebung, denn noch wurden die Kriminalbeamten „Agenten“ genannt. Wenige Tage nach der Erlaubnis, am 30. Dezember 1903, verfasste er einen Aufruf an seine Berufskollegen, dem Club beizutreten. Offiziell genehmigt, war der Club dennoch  behördlicher Willkür ausgesetzt. Man war über den neuen Verein in der Behörde nicht gerade erfreut und Beitrittswillige wurden unter Druck gesetzt. Neuhofer wurden mehrmals Geldstrafen aus „disziplinären“ Gründen aufgebrummt. Das damals herrschende autokratische Gnadensystem der Beförderung sollte keinesfalls angetastet werden. So dauerte es fast ein Jahr, bis 1. Dezember 1904, bis es zu einer konstituierenden Sitzung kam, die aber mangels genügend Teilnehmer nicht beschlussfähig war. Durch eine Wahl im Reichsrat veränderte sich die politische Situation und der Druck milderte sich und so konnte Neuhofer am 12. Dezember 1907 den Club endlich konstituieren und die Tätigkeit aufnehmen. Zu diesem Zeitpunkt zählte der Club bereits 300 Mitglieder. Vorwiegend kamen diese Mitglieder aus der Gruppe B (Allgemeiner Kriminaldienst), während die Detektive aus der Gruppe A (Staatspolizeiliche Agenden) noch zögerten. Grund dafür war, dass ihre Stellung und Besoldung besser war und sie daher weniger solidarisch dachten. Bis etwa 1908 war die Einigung beider Gruppen aber schon weit gediehen, was der damalige Polizeipräsident nicht gerne sah. Es wurde deshalb allen Angehörigen der Gruppe A nahegelegt, aus dem Club auszutreten.  Diese erwiesen sich als nicht sehr standfest und traten, bis auf eine Ausnahme aus dem Club aus.

 

Der größte Teil der Polizeiagenten der Gruppe B (auch als Gruppe II bezeichnet) war auf die 22 Bezirkspolizeikommissariate aufgeteilt. Sie hatten üblicherweise keine eigenen Diensträume, sondern arbeiteten auf großen Tischen in den Vorzimmern, die auch dem Publikum zugänglich waren. Ein unhaltbarer Zustand, was schon Polizeipräsident Ritter von Steyskal (1892-1897) einsah und eine Reorganisation herbeiführen wollte.

Bei einer Versammlung am 13. März 1908 wurde ein 18-Punkte-Programm beschlossen, dass unter anderem folgende Punkte enthielt:

 

  • Änderung des Titels „Agent“ auf „Kriminalbeamter“
  • Schaffung einer Dienstpragmatik
  • Höhere Aufnahmebedingungen
  • Speziellere Ausbildung

 

Eindeutig nahm der Club damit gewerkschaftliche Agenden wahr. In der Folge wurde der Vorschlag eines neuen Gehaltsschemas und einer neuen Dienstordnung erstellt. So nebenbei wurde auch eine Bibliothek gegründet. Im Juli 1908 wurde dann doch im Abgeordnetenhaus tatsächlich ein neues Gehaltsschema mit Zulagen etc. beschlossen. Wie weit die Vorschläge des Clubs dazu beigetragen haben, lässt sich heute nicht mehr eruieren. Doch bald darauf wurde die Zerstörung des Clubs von Seite der Behörde eingeleitet. Ein lächerlicher Vorwand wurde dafür herangezogen. Eine Deputation hat beim Wiener Bürgermeister vorgesprochen, ob die Detektive nicht Freikarten für die Straßenbahn bekommen könnten. Dies sei eine Missachtung des Dienstweges, die nach Disziplinarstrafen verlangte, war man in der Führung der Meinung. Gesagt – getan. Neuhofer wurde die Entlassung angedroht, andere Funktionäre wurden suspendiert. Unter dem Vorwand, der Club sei staatsgefährdend wurde vom Vereinsbüro die Auflösung entschieden und das Vereinsvermögen beschlagnahmt. Die Bibliothek, fast ausschließlich kriminalistische Fachbücher, wurde auf staatsgefährdende Literatur untersucht, doch nichts gefunden. Offensichtlich sah man es 1908 schon als staatsgefährdenden an, wenn man die Interessen einer Berufsgruppe vertrat.

 

Neugründung in der 1. Republik

Der 1. Weltkrieg machte alle Vereinigungsgedanken ein Ende, doch bereits im März 1919 kam es zu einem neuerlichen Versuch eine Art Gewerkschaft der Polizei zu gründen. Das Verbot für uniformierte Polizeibeamte, eine Berufsvereinigung zu gründen, war aufgehoben. So kam es zur Gründung des Vereins „Freie Vereinigung der Wiener Sicherheitswache und Polizeiagenten“. Wieso dieser Verbindung kein langes Leben gegönnt war, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Jedenfalls zogen die Polizeiagenten am 25. November 1920 aus und gründen mit 31.12.1920 die „Freie Vereinigung der Wiener Kriminalbeamten“. „Vereinigung“ sollte in den folgenden Jahrzehnten, trotz mehrerer Umbenennungen, das Synonym für die Vertretung der Kriminalbeamten bleiben. 1922 wagte sich die Vereinigung aus Wien hinaus und dehnte mit 7. April ihre Tätigkeit auf ganz Österreich aus. Sie nannte sich jetzt „Freie Vereinigung der Bundeskriminalbeamten“.

 

Bei einer Vollversammlung am 24. Februar 1926 im Sicherheitsbüro kommt es zu einer Umbenennung der Vereinigung auf „Verband der Bundeskriminalbeamten Österreichs“. Offensichtlich war der Verband auch künstlerisch engagiert, denn es kam zu Gründung eines Orchesters, das am 20.12.1927 erstmals öffentlich auftrat und weil es scheinbar im Trend der Zeit lag, wurde auch gleich ein Chor gegründet. Er erblickte am 6.5.1930 das Licht der Bühne. Wenn man ein Orchester und einen Chor hat, kann man doch leicht auch einen Ball organisieren – und so war es auch. Der 1. Ball der Kriminalbeamten wurde 1931 abgehalten.

Die letzte Namensänderung in der 1. Republik wurde am 2. März 1935 vorgenommen „Vereinigung der Bundeskriminalbeamten Österreichs“  war bis zur Auflösung und nach 1945 der Name der Interessensvertretung des Kriminaldienstes.

 

Mit dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Österreich schlug scheinbar auch das letzte Stündlein der Vereinigung. Mehrere Funktionäre, darunter der nachmalige Obmann Ernst Sprung, wurden festgenommen und in das KZ-Dachau eingeliefert. Mit 13. März 1938 wurde der Verein aufgelöst, enteignet und das Vermögen dem „Kameradschaftsbund Deutscher Polizeibeamte“, einer Unterorganisation des Deutschen Beamtenbundes, übergeben.

Bemerkt muss werden, dass nicht alle Kriminalbeamten voll auf der Seite der österreichischen Regierung standen. Es gab sowohl Opfer als auch Täter. Auch die Vereinigung war nicht gefreit, von Nazis unterwandert zu werden. So stellte man bereits 1934 fest, dass der Schriftführerstellvertreter der Vereinigung Hans Kamba ein illegaler Nationalsozialist war und nicht nur das, er lieferte den Putschisten beim s.g. Dollfuss-Putsch Informationen über den Zeitpunkt der Regierungssitzung. Ein wesentlicher Teil der Kriminalbeamten wechselte auch nach der Machtergreifung des NS-Regimes vom Kriminaldienst in die Gestapo ab. (Näheres lesen Sie darüber im Abschnitt „Die Polizei zwischen 1938 und 1945“.)

 

Wiedergeburt nach dem Chaos

Kaum war nach den Schrecken des 2. Weltkrieges  die Arbeit der Polizei aufgenommen worden, als sich die Kripobeamten wieder nach einer Vertretung umsahen. Die „Vereinigung der Bundeskriminalbeamten“ die durch die Nazis aufgelöst worden war, bot sich da an. Eine Hand voll Männer besannen sich auf diese Organisation und ihr Wirken vor dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht.

 

Bereits am 2. Oktober 1945 stellte der damalige Kriminalrevierinspektor Hugo Lehrer einen Antrag an das Staatsamt für Inneres, dass man die Restitution der Vereinigung genehmigen solle. Lehrer war der einzige Funktionär, aus der Zeit vor dem Krieg. Neben Lehrer unterschrieben das Ansuchen noch die ehemaligen Mitglieder Maximilian Koch und Alois Jung. Lehrer und Koch waren beide von Hitlers Schergen ins KZ gebracht worden. Es waren vermutlich politische Gründe (das Innenressort war zu dieser Zeit fest in kommunistischer Hand) warum dem Antrag (Bescheid 42.964-4/45 v. 24.11.1945)  nicht Folge geleistet wurde.

 

15 Monate später, genauer am 11. Februar 1947 versuchte es Lehrer noch einmal mit einem neuen Antrag. In diesem Antrag scheint erstmals Ernst Sprung, der 1. Obmann der Vereinigung nach dem Krieg, als Kassier auf. Wieder kam man dem Antrag nicht nach, jetzt fürchte man offensichtlich, dass hier eine Spartengewerkschaft und damit eine Konkurrenz zur Gewerkschaft Öffentlicher Dienst oder eine Versicherungsanstalt entstehen könnte.

Beim dritten Versuch klappte es endlich. Am 10. März 1948 wurde durch Erlass des Innenministeriums (42.676-4/48) die Aufnahme der Vereinstätigkeit gestattet. Die GÖD hatte zwischenzeitlich keinen Einspruch erhoben und die Vereinigung war bereit „keine versicherungsähnliche Leistungen zu erbringen“, wie es in den genehmigten Statuten heißt. Statt dieser Solidarversicherung wurde ein Begräbniskostenzuschuss erlaubt, der noch heute ein Teil der Leistungen der VKÖ darstellt. Bei der 1. Hauptversammlung der Vereinigung am 27. September 1948 im Rittersaal des NÖ-Landtagsgebäudes wurde folgender Vorstand gewählt:

 

  • Ernst Sprung   Obmann
  • Ottokar Marousek Obmann-Stellvertreter
  • Konrad Krist  Schriftführer
  • Josef  Klinger  Schriftführer-Stellvertreter
  • Hans Gstundner Kassier
  • Alois Jung  Kassier-Stellvertreter

 

Das damalige Vermögen: 1.830.000 Schilling.

 

Die Kriminalbeamten wurden durch das „Mitteilungsblatt Nr. 1“, das kurz nach der Wiedergründung der Vereinigung erschien, informiert. Es war dies ein lediglich mit Schreibmaschine und Kopien hergestelltes Produkt, „Mitteilungsblatt Nr. 2“, erschienen am 28. Dezember 1948, war dagegen schon hektographiert. Hauptthema dieser beiden ersten Publikationen war die Forderung nach einer Reform des Kriminaldienstes. In diesen ersten Tagen der allgemeinen Not wurden auch eine Kleider- und eine Ferienaufenthaltsaktion gestartet.

 

Die nächsten Monate waren davon beherrscht die geraubten Immobilien wieder zurück zubekommen. Die Anstrengungen waren von Erfolg gekrönt, am 22. Februar 1949 wurden die Häuser rückerworben und gingen per 1. August in das endgültige Eigentum der Vereinigung über. Der Zustand der Immobilien war aber alles andere als gut und so verschlang die Renovierung die damals gigantische Summe von einer halben Million Schilling. Trotzdem ein Grund zum Feiern und so gründete man, in Fortsetzung der Tradition der Vorkriegszeit, ein eigenes Orchester und veranstaltete einen Ball in den Sofien Sälen. Dieser Kriminalbeamtenball sollte jahrzehntelang ein Ereignis der Wiener Ballsaison werden, an dem Minister und Bundeskanzler teilnahmen.

 

Während bei der 1. Hauptversammlung nach der Wiedergründung keine Vertreter aus den Bundesländern beteiligt waren, konnte man bei der 2. Hauptversammlung am 19. Mai 1949 bereits Vertreter aus den Bundesländern begrüßen. 1949 wurden auch die 32 Polizeifürsorgerinnen in den Kriminaldienst übernommen, was der Vereinigung die ersten weiblichen Mitglieder bescherte. Von Obmann Sprung wurde ein eigenes Symbol (Adler mit Schlange in den Fängen) entworfen, dass erstmalig auf dem Mitteilungsblatt Nr. 6 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Die politischen Probleme der Jahre 1949/50 wirkten sich auch auf die Vereinigung aus. Es gab Spaltungstendenzen und selbst die Auflösung wurde angedacht. Es siegte die Einsicht, dass die Vereinigung eine überparteiliche Berufsvertretung ist. Probleme hin, Probleme her bei der 3. Vollversammlung am  24. Juni 1950 spielte zum ersten Mal das Orchester der Kriminalbeamten.  Am 18. Oktober dieses Jahres waren wieder Probleme auf der Tagesordnung. Im überfüllten Casino Zögernitz fand eine Treuekundgebung für die österreichische Regierung statt, womit eine eindeutige Distanz zu den kommunistischen Organisatoren des Generalstreiks dokumentiert wurde.

 

Anlässlich der ersten Gewerkschaftswahlen im März 1951 entschied sich die damalige Führung auf die Kandidatur mit einer eigenen Liste zu verzichten. Man wollte bewusst nicht in Konkurrenz zu politischen Fraktionen treten und rein gewerkschaftliche Tätigkeiten der „Gewerkschaft öffentlicher Dienst“ überlassen. Dieser Rückzug bedeute aber nicht die Anliegen der Kriminalpolizei als überparteiliche Interessensvertretung nicht wahrzunehmen. Auch alle anderen Tätigkeiten und Sozialleistungen blieben unberührt. Erstmalig erschien das Mitteilungsblatt in gedruckter Form. Mit der Zeit wurde aus einem Mitteilungsblatt eine regelmäßige Vereinszeitung, die 1956 den Namen „Der Kriminalbeamte“ bekam.

 

Die Wohnungsnot der 50er Jahre führte dazu, dass die Vereinigung 1954 in Wien 14., Hadikgasse 172 ein Grundstück erwarb und darauf ein Haus mit 22 Wohnungen errichtete, in die 1956 Kriminalbeamte mit ihren Familien einziehen konnten. Mit einem Hauskauf in Wien 5., Siebenbrunnenfeldgasse, der 1962 erfolgte, wurde die Wohnungsnot unter Polizeibeamten weiter gelindert.

 

Dass man die Vereinigung als Interessensvertretung des Kriminaldienstes ansah, zeigt die Berufung des Obmannes Ernst Sprung in die Reformkommission des Innenministers Franz Olah. Im selben Jahr (1964) brachte die Vereinigung eine Resolution zur Reform des Kriminaldienstes ein.

 

Es dauerte 27 Jahre bis es zu einer Änderung in der Vereinsführung kam.  Bei der Vollversammlung am 21. November 1975,  kandidierte Obmann Sprung nicht mehr und übergab sein Amt an Oberst Kurt Schwartling. Seine Ära war geprägt durch einen Konflikt zwischen Konzeptsdienst und Kriminalbeamten. Als Positivum kann die Gründung eines eigenen Urlaubsheimes in Unterach am Attersee verzeichnet werden. Da das Angebot kaum Beachtung fand, wurde es nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Der Konflikt zwischen Konzeptsdienst und Leitenden Kriminalbeamten gärte bis in die Ära des Nachfolgers, Oberst Josef Steinhäusl. Er war bei der 40. Vollversammlung am 27.11.1987 gewählt worden. Probleme gab es auch innerhalb des Vereines. Der traditionelle „Ball der Kriminalbeamten“ verlor immer mehr an Glanz und Publikum und verursachte vor allem ein Defizit. Damit wurde eine Institution die seit 1961 bestand zu Grabe getragen. Auf andere Aktivitäten hatte man seit Jahren verzichtet, junge Kriminalbeamte wurden überhaupt nicht mehr angesprochen. Nach und nach verlor die Vereinigung Ansehen und damit auch Mitglieder. Ein Versuch wieder jüngere Mitglieder ins Boot zu holen, war 2002 der Einstieg ins Internetzeitalter mit der ersten Homepage „www.kripo-online.at“. Die 49. Vollversammlung brachte einen neuerlichen Wechsel an der Vereinsspitze und damit den Sprung in die nächste Generation. Der Hoffnungsträger hieß Franz Kössler, Jahrgang 1947.  Die Vereinigung war an einem Tiefpunkt, denn das Erscheinungsbild, die Strukturen und Aufgaben hatten sich seit Jahrzehnten nicht verändert. Seine Versuche etwas zu verändern scheiterten, denn der Vorstand, fast ausschließlich betagte Pensionisten, verhinderte jede Änderung. Kein Wunder, dass sich die Redaktion der Zeitschrift abspaltete und einen eigenen Verein gründete. Der folgende Kleinkrieg zwischen ehemaliger Redaktion und Obmann Kössler lähmte jede zielführende Tätigkeit. Mitgliederschwund und Stagnation prägten somit die Ära Kössler. Der Polizeireform mit der Auflösung des Kriminaldienstes als eigenständige Einheit, hatte man keine Strategie entgegenzusetzen. Tatsächlich wurde sogar die Auflösung der Vereinigung nach 89 Jahre bestehen, angedacht.

 

Es siegte die Überzeugung jener, die meinten, dass die Kriminalpolizei eine Stimme braucht und die Vereinigung damit ein Aufgabengebiet hätte. Es musste auch eine Strategie gegen den grassierenden Mitgliederschwund gefunden werden. Da es keine Bundeskriminalbeamten mehr gab, wäre in einigen Jahren die Vereinigung ohne Mitglieder gewesen. Man holte Chefinspektor Richard Benda, der bereits in den 80er Jahren die Zeitschrift der Vereinigung „Der Kriminalbeamte“ als Chefredakteur betreut hatte, als Troubleshooter in den Vorstand. Benda, 15 Jahre Generalsekretär bei der International Police Association, war frei, denn er hat 2008 für dieses Amt bei der IPA nicht mehr kandidiert. Ihm mutete man zu, dass er in der Folge den amtsmüden Obmann Kössler ersetzen und die Vereinigung wieder zu einer Interessensvertretung des Kriminaldienstes machen könnte.

Die ersten Schritte zu einer Veränderung wurden bereits am 26. September 2006 gesetzt. Über Vermittlung des designierten Obmannes Benda kommt es zu einer ersten internationalen Begegnung, die Führungsspitze des „Bundes Deutscher Kriminalbeamten“ besucht Wien und die Vereinigung. Fortan kommt es zu regelmäßigen Kontakten und Zusammenarbeit zwischen deutschen und österreichischen Kriminalpolizisten.

 

Als historisch könnte man die 60. Delegiertenversammlung am 30. Jänner 2009 bezeichnen, eine völlig neue Gruppe übernimmt den Vorstand. Gewählt werden:

 

  • Präsident             Richard Benda
  • 1. Vizepräsident   Helmut Tiefenbacher (Soziales)
  • 2. Vizepräsident   Franz Scheucher (Berufliches)
  • 3. Vizepräsident   Ludwig Hinterkörner (Sektionen)
  • Kassier                Helmut Bärtl
  • Schriftführer        Franz Skant
  • Schriftführerstv.   Peter Pippan
  • Chefredakteur      Thomas Franklin
  • Frauen u. Jugend  Susanne Rauer

 

Mit Ludwig Hinterkörner zog erstmals ein Sektionsleiter aus den Bundesländer in den Vorstand ein. Es sind aber nicht nur personelle Veränderung am Plan, sondern auch radikale Veränderungen in der Organisation und im Angebot. Auf Grund der Abschaffung eines eigenständigen Kriminalbeamtenkorps wird die Mitgliedschaft für alle Exekutivbeamte geöffnet. Damit können alle im Kriminaldienst tätigen Gendarmeriebeamten, die bis dahin ausgeschlossen waren, Mitglied werden, aber auch jenen uniformierten Beamten der Sicherheitswache, die zum Teil die Aufgaben der ehemaligen Rayonskriminalbeamten übernommen haben. Diesem Schritt entsprechend wird der Name von „Vereinigung der Bundeskriminalbeamten Österreichs“ auf „Vereinigung Kriminaldienst Österreich“ geändert. Die Vereinszeitung erhält  ein neues Aussehen, eine erhöhte Zahl von Ausgaben pro Jahr und einen neuen Namen – kripo.at, auch die neu konzipierte Homepage wird www.kripo.at getauft.

 

Vor allem will der neue Vorstand den jahrelang vernachlässigte Bereich Fortbildung fördern und durch eigene Seminare und Kurse abdecken. Gerade dieses neue Angebot führt, was natürlich beabsichtigt war, dazu, neue, im aktiven Dienst stehende Beamte die Mitgliedschaft erstrebenswert anzusehen.

 

Heute kann man mit Fug und Recht sagen, dass die Reformen des 2009 gewählten Vorstandes in der gesamten Geschichte der Vereinigung seit 1948 ohne gleichen waren. Durch die Fortbildungsmaßnahmen und durch die Einbeziehung der Bundesländer in das Vereinsgeschehen, konnte nicht nur der Mitgliederschwund gestoppt, sondern ins Gegenteil verkehrt werden. Durch Sponsoring von polizeirelevanten Masterarbeiten, durch finanzielle Unterstützung bei Besuch von Fortbildungsveranstaltungen und schlussendlich durch die Schaffung von Gästezimmern und Startwohnungen wurden junge Polizeibeamte angesprochen. Durch die Partnerschaft mit der Donau-Uni, dem Bund Deutscher Kriminalbeamten und dem Kuratorium Sicheres Österreich, wurde die Vereinigung auch außerhalb der eigenen Reihen bekannt.

 

2013 kann endlich die Sektion Burgenland gegründet werden, womit die Vereinigung in allen Bundesländern (außer Vorarlberg) vertreten ist.

 

Dem neuen Image und Ausrichtung entsprechend erhält die VKÖ 2014 von der internationalen Polizeigewerkschaft CESP (Conseil Europeen des Syndicats de Police) das Angebot beizutreten. Aus verschiedenen Gründen wird das Angebot abschlägig beantwortet, jedoch eine Kooperation (z.B. durch Entsendung von Fachreferenten auf Kongressen) wahrgenommen.

 

Die Zahl der in den letzten Jahren veranstalteten Vorträge, Seminare, Tagungen und Symposien überflügelt die Zahl der gesamten Jahrzehnte davor. Die „Vereinigung“ ist wieder dorthin zurückgekehrt, wo sie in den Tagen der Gründung stand – DIE Interessensvertretung des Kriminaldienstes.

 

Ein 100% Wahlergebnis für den Vorstand bei der Neuwahl am 28.11.2014 zeigte, dass die Führung der Vereinigung, Richard Benda und sein Team, am richtigen Weg sind. Die Vereinigung hatte den Weg vom 20. zum 21. Jahrhundert geschafft.